Bittenbrunn – Laisacker

Eine volkskundlich-historische Untersuchung der ehemaligen Gemeinde am Rande der Residenzstadt Neuburg an der Donau



















Ortsansicht von Bittenbrunn aus dem Jahr 1857

Aquarell von Max Graf von Armannsberg

(HistVer ND, Graphiksammlung)




Pfarrer Miller spöttelte 1918 mit der Bemerkung:





und sein Amtsbruder Aman, Bittenbrunner Pfarrer von 1821 – 1835 sah in seiner Pfarrei Hurereien und Ehebrüche, alle Betrügereien und Diebstähle, alle falschen Eydschwüre und Verleumdungen besonders zu Hause. Er meint, Ihren Pfarrer sehen sie mehr als ihren Feind als ihren Freund, ... wenn derselbe ihre angeerbten Vorur-theile, Irrthümer, abergläubischen Reden und Händel mit Ernst angreift oder wohl gar die jungen und alten Wollustsünder, die jungen und alten Huren in ihrem Schandleben hindern will, damit sie nicht vollends Schweine werden.


Manfred Veit, seit 1973 in Bittenbrunn ansässig, wollte den "Wahrheitsgehalt" derartiger Aussagen ergründen. Er wertete mehrere Jahre lang alle ihm zugänglichen Archivalien aus, um der Geschichte dieses Dorfes auf die Spur zu kommen. In die Vergangenheit hinein legte er sich keine Grenzen auf, beendet hat er seine Untersuchungen mit dem Einzug der elektrischen Energie 1922 und damit mit dem Beginn der Mechanisierung durch Kraftmaschinen. Er wollte ein Dorf untersuchen, das stellvertretend für frühere Dörfer aus dem mittelbayerischen Raum gelten kann, in denen der Ackerbau vorherrschte. Die Menschen der früheren Zeit, die in der Meinung ihrer Geistlichen nicht besonders gut abschnitten, stellte er ganz besonders in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.


Bittenbrunn im 18. Jahrhundert

(Ausschnitt aus einem Andachtsbild)











Herausgekommen ist eine umfassende Schau auf das Leben in einer Gesellschaft, die von der Sorge um das tägliche Überleben, von allgegenwärtiger christlicher Frömmigkeit und von Auseinandersetzungen mit Obrigkeit und Pfarrherrn geprägt war. Aber auch die Nähe zur Residenzstadt Neuburg wirkte auf die Zustände im Dorf.

Nach einer geschichtlichen Hinführung wird das Werden und die Entwicklung des Dorfes dargestellt. Die Anfänge der Siedlung wird mit einer Analyse der Grundstückslagen zueinander rekonstruiert, dann die spätmittelalterlichen Veränderungen beleuchtet, bei denen fast alle Anwesen von weltlichem in kirchliches Eigen übergingen. Nun widmete sich Veit den Häusern und ihren Bewohnern, dann der Sorge um das tägliche Brot mit der Landwirtschaft und den Nebenerwerben.



Flurgenese für ein Feld zur Ermittlung der Entwicklung des Dorfes

Glaube und Bildung, sodann Konflikte und deren Lösungen bilden die weiteren Kapitel. Darin kommen auch kunstgeschichtliche Betrachtungen über die Bittenbrunner Madonna und die einst vom Neuburger Fürstenhaus geförderte Wallfahrt hierher nicht zu kurz.

Als Anlage ist ein beispielgebendes Häuserbuch beigefügt. Jedes einzelne Anwesen wird in einem allgemeinen Teil, der die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Vergangenheit aufführt, und in einem chronologischen Teil, der alle Besitzer und die Veränderungen auf dem Haus aufführt, vorgestellt. Baupläne und Bilder runden ab.

Diese ortskundliche Arbeit kann beispielgebend für weitere Untersuchungen anderer Ortschaften sein. Es wäre zu begrüßen, wenn die Abhandlung Ansporn für andere historisch Interessierte werden könnte, die ihre eigene Umgebung geschichtlich aufarbeiten wollen. Hinweise zu den Quellen werden umfassend gegeben und können als Handreichung dienen.


Das Buch umfasst XII/769 Seiten mit einer Kartenbeilage. Es ist erschienen im Eigenverlag und zum Preis von ¬ 39,00 (zzgl. Porto und Verpackung) beim Autor erhältlich.


Bezugsadresse:

Dr. Manfred Veit

Rennertshofener Weg 5

86633 Neuburg-Bittenbrunn






Der Autor mit seiner Abhandlung.



Manfred Veit wurde 1941 in der Gmd. Stephanskirchen bei Rosenheim geboren, Dipl.-Ing. (univ.) für Luftfahrttechnik. Von 1962 bis 1993 Berufssoldat. Seit 1988 Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr für Flugsicherheit und Flugunfalluntersuchung. Nach der Pensionierung Studium der Volkskunde, der Landesgeschichte unter besonderer Berücksichtigung Bayerns und der Kunstgeschichte. Promotion 2001.